Nach Eyjafjallajökull kommt Björnsdóttir

Da es immer dunkler wird, liegt es auf der Hand, eine Künstlerin aus dem Norden zu holen, die Licht in unsere Sachen bringt:

Es ist nicht die Kunst die stinkt, es ist die Galerie – site-specific video installation von Sara Björnsdóttir im Berliner Wedding.

Das uns Tröstende zuerst: Auch andere Galerien stinken. Es ist eine stinkende Galerienwelt und die Kunst ist eine saubere Sache im verkeimten Verkaufsraum. Sara Björnsdóttirs Arbeitsweise ist mehr als multimedial. Die isländische Künstlerin verwendet Poesie, Performance, Video, Luftballons, Rotwein, Sound oder 1001 mit Billigglitzer beklebte Gesteinsbrocken im Taschenlampenlicht jeweils situationsbedingt und raumorientiert.

In einem Neubau zu stehen, der mit handgezeichneten Rissen auf der Wand mehretagig wegzubröckeln scheint (konkreter Realismus) kann vergleichbare Gefühle auslösen wie ein Vieraugengespräch mit der zu mietenden Künstlerin im Dixiklo. Wer viel bezahlt kriegt viel zu hören. If you give me nothing – I give you nothing. Die freie Wahl des einfachsten Mittels ist stillos und deshalb ganz nah an dem was die Dinge an sich mitbringen, was Sache ist.

Im aufregendsten Fall scheint das Mittel eins zu werden mit dem zu Vermittelndem. Für diesen Fall gibt es Sara Björnsdóttirs raumbezogene Videoinstallationen (site-specific video installations). Die Galerie stinkt, wir bekommen eine neue und die ist aus Kunst.

In ihren Videoinstallationen verwendet die Künstlerin den Raum um einen neuen Raum zu schaffen. Sie filmt Wände, Säulen, Fenster und projiziert den gefilmten Raum in den realen. Wenn die gefilmte, hinter einer Säule hervorschauende Künstlerin den Lichtschalter betätigt, gehen auch im tatsächlichen, als Projektionsfläche verwendeten, Raum alle Lichter aus. Dieser Geistergriff aus einer anderen Zeit kann zu einem Sinnesverlust beim Betrachter führen, der im Licht von gestern stehend, selbst zur Projektionsfläche wird. Er wird durch eine andere Zeit in einen anderen Raum geführt.

Im Kulturpalast Wedding begibt sich die Künstlerin auf die Suche nach dem Idealraum. Dieser ist leer, gefegt und glänzt durch die Abwesenheit von erworbenen oder erwerbbaren Gegenständen. Ein ruhiger, lichtdurchfluteter Ort, frei von Gestank und Gebrauch. Sara Björnsdóttir filmte den Galerieraum in seinen friedvollsten Stunden an einem sonnigen Sonntagvormittag.  Am Freitagabend bringt sie den vergangenen, zwei Wochen alten Sonnenschein erneut in die Galerie und den alten Raum in den Neuen. Wir zeigen nichts anderes als eine Galerie. Es gibt keinen besseren Platz um raumbezogen im Licht zu stehen.

Eröffnung am Freitag, 29.Oktober 2010, 20:00
mit einem Konzert von Berglind Agústsdóttir
Finissage am Sonntag 07. November 2010, 20:00

Ausstellung vom 29.10.2010 bis 07.11.2010
geöffnet Fr/Sa/So von 16 bis 20:00 und nach Vereinbarung

Kulturpalast Wedding International e.V.
Freienwalder Strasse 20
D-13359 Berlin-Wedding
Tel: 0179 21 54 847
www.kulturpalastwedding.com
info@kulturpalastwedding.com

Kommentar hinterlassen zu "Nach Eyjafjallajökull kommt Björnsdóttir"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*