Entertainment - Written by mitarbeiter on Samstag, April 30, 2011 11:11 - 0 Comments
Die Blonde Republik Deutschland – wie blöd ist das denn?
Blond = Blöd? Ein Berliner Kabarettprogramm hat die Verdummung der Gesellschaft zum Thema
Vor einigen Jahren waren Blondinenwitze noch Gang und Gebe, aber wenn man sich jetzt mal genau umschaut, dann merkt man: blond scheint irgendwie wieder total „in“ zu sein. Zum Beispiel unser Bundespräsident Christian Wulff, oder auch ganz neu in der Riege TV-Sternchen, Daniela Katzenberger. Das sind nur zwei der prominenten Beispiele für die neuen „Kult-Blondis“ unserer Zeit. Und genau deshalb nimmt sich auch Martin Meier-Bodes Kabarettprogramm „Blonde Republik Deutschland“ diesem Thema an. Am Wochenende startete das Programm in der „Distel“ in Berlin, und warum dieses Programm für die Zuschauer zu einer kabarettistischen Lebensberatung der besonderen Art werden kann, das erzählen uns heute zwei der Kabarettistinnen des Programms, Maja Elsenhans und Dagmar Jaeger.
Es geht in dem Stück, na klar, um das Thema blond. Aber damit ist eigentlich gar nicht unbedingt die Haarfarbe gemeint, sondern die Verblödung der Gesellschaft. Vielleicht bringen Sie uns ganz kurz auf den Stand der Dinge: was passiert in dem Programm?
Dagmar Jaeger: Unser Ziel war… Das hat nichts mit Blonden-Diskriminierung zu tun, sondern man muss ja ein Synonym suchen oder einen Ausdruck. Und blond und blöd ist ja diese gängige Bezeichnung, und wir wollten einfach ein bisschen mehr darauf aufmerksam machen, wie die Politiker uns versuchen, zu verdummen, wie die Medien uns versuchen, zu verdummen, und weil man möglichst ein bequemes, selbstzufriedenes Volk haben will, was sich mehr den Kopf macht um den neuen Lippenstift und das neue Blüschen als um wirklich grundlegende Dinge in unserer Gesellschaft. Das kann man besser regieren.
Maja Elsenhans: Genau, eine Vereinfachung aller Dinge sozusagen.
Politiker spielen ja auch in dem Kabarett eine Rolle, zum Beispiel findet ein Politiker-Coaching statt. Was genau passiert bei diesem Coaching?
Maja Elsenhans: Das ist eine Jungpolitikerin, bei uns von der CDU, und die fühlt sich coaching-bedürftig.
Dagmar Jaeger: Sie hat einen ganz einfachen Lebenslauf, ähnlich wie unsere Familienministerin, wie Menschen, die ja wirklich sehr vom Leben schon geprägt worden sind…
Maja Elsenhans: … Schüler-Union, Junge Union, Kreistag, Landtag, Bundestag.
Dagmar Jaeger: … wo man ja, denke ich, doch einige Fragen hat, wie solche Leute dann ein ganzes Land mitbestimmen wollen. Denn ich weiß nicht, wo sie die Lebenserfahrung herholen, außer aus den Parteikämpfen. Und diese Politikerin coachen wir. Das Beispiel ist die Atomfrage, das was uns sehr bewegt hat.
Das ist auch das Schöne, dass dieses Programm tatsächlich auch ein politisches Kabarettprogramm ist und dass aktuelle Themen mit aufgegriffen werden, wie zum Beispiel die Atomfrage. Also diese junge Politikerin, die da gecoacht wird, die muss sich auch einigen Atomfragen stellen.
Maja Elsenhans: Natürlich, die muss sich dazu verhalten.
Dagmar Jaeger: Sie muss lernen, dass sie nur Aussagen trifft, auf die man sie nicht festlegen kann. Sie muss lernen, wie man dementiert, das ist ja etwas ganz Wichtiges. Wir testen sie auch, ob sie schon das klassische Edel-Dementi von Guttenberg beherrscht. Und dann hat sie Fragen, wie sie sich jetzt verhalten soll nach dem Unglück in Japan, und da wird sie konfrontiert mit Aussagen von Frau Merkel. Und dann sieht man, wie man damit sehr gut über die Runden kommen kann.
Es werden auch Originalzitate von Frau Merkel eingebaut.
Dagmar Jaeger: Genau, vor der Katastrophe und nach der Katastrophe.
Maja Elsenhans: Wie sie zur Kernenergie steht, das sagst Du ja, sag doch mal ein Beispiel.
Dagmar Jaeger: Naja, Frau Merkel meint ja: „Wenn ich mir anschaue, wie viele Atomkraftwerke weltweit gebaut werden, wäre es jammerschade, wenn wir in diesem Bereich aussteigen würden.“ Das hat sie vor Japan gesagt. Und jetzt meint sie: „Mit Brückentechnologie meinen wir, dass wir aus diesem Bereich aussteigen werden.“
Maja Elsenhans: Die Kehrtwende sozusagen. Und selbst der Ausstieg ist ja noch riskant. Bis die alle runtergebrannt sind!
Dagmar Jaeger: Ich sehe es auch nicht ein, warum wir Steuerzahler für die abgebrannten Brennstäbe aufkommen müssen und die Atomenergie hat jeden Tag 1 Million Gewinne und weiß ich was. Und jetzt: wir haben ja alle momentan Strom, obwohl die alten Atomkraftwerke abgeschaltet sind.
Man merkt, dass es ziemlich brisant und aktuell ist. Und dass es auch wichtig ist, dass Sie beide das rüberbringen. Die Rollen werden im Stück ja auch ein bisschen gewechselt, also kann man gar nicht unbedingt festlegen, wer welche Politikerin spielt.
Maja Elsenhans: Nein, es sind die Szenen hintereinander, und da wird getauscht…
Dagmar Jaeger: … es wird alles mal angerissen. Man versucht natürlich immer, das unterzubringen, was einem unter den Nägeln brennt.
Zum Schluss interessiert mich doch noch eins: blond ist ja doch immer noch gleich blöd, es ist doch immer noch in der Gesellschaft behaftet. Aber wie ist es denn mit einer Daniela Katzenberger oder unserem Bundespräsidenten, der ja auch blond ist. Wandelt sich das gerade oder wird es einfach nur besser verkauft?
Maja Elsenhans: Ich glaube, dass man zum Beispiel bei der Katzenberger nicht von „Haarfarbe blond“ reden kann, sondern es ist ein Image, das die hat, das Verona Pooth vor ein paar Jahren hatte, die ja dunkelhaarig war. Ich glaube, da geht es um Inhalte, bzw. Nicht-Inhalte, die sie vertritt.
Dagmar Jaeger: Für mich ist es ein Rätsel, dass sowas überhaupt funktioniert. Ich habe mir das zwei Mal versucht, anzuschauen. Und ich finde das so schade um meine Zeit! Aber die Leute brauchen das scheinbar, ich weiß es nicht.
Vielleicht verkauft sie es einfach nur intelligent genug, dass die Zuschauer ihr das abnehmen und dann Spaß an der ganzen Sache haben. Jedenfalls ist diese Thematik auch Thema im Programm „Blonde Republik Deutschland“ in der Distel in Berlin. Sie sind zu dritt auf der Bühne, zusammen mit Markus Steiger.
Distel Kabarett Theater GmbH
Friedrichstr. 101
D–10117 Berlin
Tel: 030. 20 30 00
www.distel-berlin.de
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