Jonathan Rescigno – Territorial Transitions *°°*

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Jonathan Rescigno bewegt sich mit seinen Filmen zwischen klassischem Dokumentarfilm und Kunst. Der gebürtige Franzose aus der Region Lothringen lebt seit einiger Zeit in Berlin und zeigt seine Arbeiten nicht nur als Filme auf Festivals, sondern auch als Videoinstallationen in Kunstausstellungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Noch immer interessieren ihn jedoch die aktuellen Probleme seiner Heimat Lothringen, das Industriegebiet im Osten Frankreichs, das nach dem Krieg durch Bergbau und Arbeitsimmigration geprägt wurde, dann eine Phase der De-Industrialisierung durchmachen musste und das heute den Widerspruch zwischen Migration, Integration einerseits und andererseits des Rechtspopulismus durchlebt. Es ist daher nur konsequent, dass er in seinen neuesten Arbeiten Migration und was man in Deutschland „Flüchtlingskrise“ nennt thematisiert.

Der Filmemacher setzt sich in der Weise vom traditionellen Dokumentarfilm ab, dass er keine allwissende Erzählstimme („God Eye’s View“) einführt, sondern dort wo er von sich selbst spricht eine radikal subjektive Position einnimmt, und wo er andere Menschen zu Worte kommen läßt, diesen den Raum gibt, sich auszudrücken. Und er läßt die Dokumente unkommentiert für sich sprechen. Zugleich benutzt er die Montage um in fast essayistischer Weise die Materialien, Dokumente und Filmbilder miteinander zu konfrontieren. Er versetzt so den Betrachter in die Lage und auch der Herausforderung aus, eigene Schlüsse zu ziehen, anstatt vorgeformte Ergebnisse nur zu konsumieren.

In Destination Lune begibt sich Rescigno in die Stadtrandsiedlung seiner Jugend gerade kurz bevor sie abgerissen wird. Erinnerungen, Vorgefundenes und die Erzählung des letzten Bewohners, den er noch antrifft, fügen sich zu einem Zeitbild über Heimat und Identität angesichts der begrenzten Dauer einer ganzen Vorstadtsiedlung.

Bei der Videoinstallation „Berlin Answering“, die wir als Auszug sehen, konfrontiert Jonathan gefundene Aufzeichnungen von Anrufbeantwortern mit den fliehenden Gründerzeitfassaden und vorbeiziehenden Passanten auf der Hochbahn (und S-Bahn?) in Berlin. Die Häuslichkeit suggerierenden Bandaufzeichnungen verbinden sich in ihrer Flüchtigkeit mit den steinernen Fassaden, die Dauer vortäuschen, die aber ebenso Flüchtigkeit von Stadtumbau, Gentrifizierung und Wohnungswechseln unterworfen sind.

In dem neuesten Werk „Territorial Pissing“, das wir als Work-in-Progress sehen und diskutieren dürfen, hat Jonathan Rescigno Orte des Übergangs nach Europa aufgesucht, von der Serbisch-Rumänischen Grenze bis zum Lageso in Berlin. Dazu zeichnete er Statements von den in Deutschland Hilfe suchenden auf. Diese konfrontiert er mit dokumentarischen und narrativen Archivbildern von Fluchtbewegungen in Europa und USA aus früheren Jahren. Der Film, der noch 2016 fertig gestellt werden soll versucht eine weitere Sicht zu öffnen, mit Bezug auf Geschichte und Zukunft in einer Zeit der verengten Wahrnehmung in unseren Medien und der Gesellschaft.

Kuratiert von Klaus W. Eisenlohr

Artist Link: www.jorescigno.com
Directors Lounge: directorslounge.net

28. Januar 2016, 21:00
Z-Bar
Bergstraße 2
D-10115 Berlin-Mitte

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